Würde man jemand fragen, wie das denn so läuft mit dem Bierabsatz in der Schweiz – er (oder sie) würde sagen: Der sinkt! Bis vor 10, 15 Jahren war das wirklich so. Seither schwankt der Umsatz inländischer Biere um 3,5 Millionen Hektoliter. Dazu kommen die Importe von einer bis 1,2 Millionen, Tendenz steigend.

Ein ganz anderes Bild ergibt sich bei der Anzahl Brauereien. Mit 32 Brauereien in der Schweiz war sie 1990 auf einem Tiefpunkt. Zwanzig Jahre später hatte sich die Zahl verzehnfacht, heute sind wir bei sage und schreibe 763 Brauereien, die landauf, landab in kleinen Fabriken, Garagen und Hinterhöfen sich mit Hopfen, Hefe und Malz versuchen. Und mit Spezialgewürzen, Spezialhefen, Brauverfahren. Und eben mit Weizen.

In Basel hatte «Ueli Bier» den Bann gebrochen, es folgten «Unser Bier», und in den vergangenen fünf Jahren kamen unzählige andere dazu, mittlerweile auch in der weiteren Region. Eine Tradition wurde neu entdeckt. Und sie wurde zum Trend.

Mit Orangenschalen gebraut

Jetzt wagt auch die grösste Brauerei der Schweiz, Feldschlösschen, den Schritt zu einem trendigen Bier, einem leicht trüben Weizenbier. «Es ist das erste Weizenbier überhaupt von Feldschlösschen», sagte der Basler Brand Director, Jérôme Rueff, anlässlich einer Präsentation in Rheinfelden. Sehr fruchtig schmeckt und riecht’s, es wird mit Koriandersamen und Orangenschalen gebraut.

Trotzdem werde das Bier einem breiten Geschmack entsprechen, «Mainstream», sagte er. «Wir können natürlich nicht alles machen. Es gibt gewisse Biere, die werden immer von Kleinbrauereien gemacht, diese Triple hopped IPA zum Beispiel. Was wir machen, sind gute, zugängliche Spezialitätenbiere, die man easy trinken kann.» Auch der deutschen Tradition des Weizenbiers wollen sie nicht nacheifern. «Wir orientieren uns ganz stark an den belgischen Weizenbieren. Und wir glauben, es hat Platz für ein Schweizer Weizen.»

Er empfiehlt, das Bier mit einem Orangenschnitz zu servieren (was ein wenig an das mexikanische Corona erinnert).

Blick in das Sudhaus von Feldschlösschen.

Blick in das Sudhaus von Feldschlösschen.

Dem Weizenbier (5,2% vol. Alkohol) ging natürlich eine Marktforschung voraus. «Wir schauten uns an, was auf den Auslandmärkten passiert, und zwar bei Bieren, die etwas mainstream sind», sagt Rueff. Die Technik beherrscht Feldschlösschen. «Wir hatten hie und da für interne Events Weizenbiere oder Ales hergestellt.»

Eine weitere Novität ist das «Hopfen» mit 5,3 Volumenprozent. «Es ist kaltgehopft» sagt Produktentwickler Markus Brendel. Dabei wird erst im Lagertank «Hallertauer Edelhopfen» beigegeben, wodurch sich die feine, aromatische Hopfennote entfaltet. Im Geschmack ist Feldschlösschen Hopfen würzig-blumig mit feiner Citrusnote.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Das dritte Bier im Bunde ist die «Dunkle Perle». Sie ist im Prinzip nichts anderes als alter Wein in neuen Schläuchen, genauer: das ursprüngliche frühere «Dunkle» in neuer Büchse. «Das passt einfach hervorragend in die Reihe der neuen Bierspezialitäten», sagt Rueff. Es hat 5,5 Volumenprozent Alkohol.

Feldschlösschen Weizen, Feldschlösschen Hopfen und Feldschlösschen Dunkel sind ab März in Einwegflaschen und Dosen im Schweizer Detailhandel erhältlich. In der Gastronomie können Feldschlösschen Weizen und Feldschlösschen Dunkel ab April 2017 schweizweit genossen werden. Die Preise, zu welchen die Biere verkauft werden, ist noch nicht bekannt. Da es sich um Spezialbiere handelt, werden sie teurer als das gewöhnliche «Lager» sein.

Feldschlösschen, eine Tochter des dänischen Carlsberg-Konzerns, beschäftigt 1200 Mitarbeitende an 21 Standorten in der ganzen Schweiz. Umsatzzahlen werden keine bekannt gegeben. Mit einem Sortiment von über 40 eigenen Schweizer Markenbieren und einem grossen Getränkeportfolio von Mineralwasser über Softdrinks bis Wein, beliefert Feldschlösschen 25 000 Kunden aus Gastronomie, Detail- und Getränkehandel.